Kaur R. Hensel

1988 geboren in Pärnu (Estland), lebt und studiert in Halle | seit April 2012 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes |||| Ausbildung |||| 2009 – 2014 Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle | Bachelor Modedesign ||| 2013 – 2014 Erasmus an der Eesti Kunstiakadeemia (estnische Kunstakademie in Tallinn) | Bachelor/Masterkurse Modedesign ||| 2014 Bachelor of Arts |||| Praktische Erfahrungen |||| 2008 Berlin | Theaterkunst GmbH | neunmonatiges Praktikum in der Männerabteilung ||| 2009 Berlin und Matsi (Estland) | Kordes & Kordes Film GmbH | „Poll“ | einmonatiger Regie- und viermonatiger Kostümpraktikant


Sonnenblumenkerne

Ich bin im Frühling 2011 nach Madrid gefahren und war sogleich von der so lebendigen und bunten Haupt- stadt Spaniens begeistert. Besonders spannend und fremd fand ich die Tradition des Stierkampfes. Schon die großen, nationalen Künstler wie Pablo Picasso haben sich mit dem Stierkampf und seiner Magie beschäftigt. Ein brutaler Kampfsport der mit der spanischen Mentalität und Kultur fest verbunden ist.

Dieses Thema passte perfekt in die Aufgabenstellung des 4. Semesters, welches unter dem großen Motto Rot stand, dass uns die Professoren Thomas Greis und Joachim Schielicke stellten.
Es durfte nur ein Stoff der gleichen Farbe verwendet werden – ein roter Jersey. Sogleich kamen mir As- soziationen von Blut, Aggressivität, Energie und Dominanz aber auch Erotik und Verführung. Alle diese Elemente lassen sich in einem Stierkampf wiederfinden, mit seinen traditionellen Gesten und theaterhaften Bewegungen, die bis ins Kleinste durchkomponiert sind. Die traditionellen Kostüme, die steifen und kur- zen Westen- und Jackenformen, die enganliegenden, hochgeschlossenen Hosen, sowie das bewegliche Tuch des Matadors flossen in meine Entwürfe ein. Transferdrucke mit rot-glänzender Transferfolie und grauem, stumpf wirkenden Kleber stellen die Narben und Wunden von Kämpfer und Bekämpften dar. Eingenähte Strohhalme versteifen die Kleidung und machen die schützende Funktion der Kampfkleidung nach außen hin sichtbar und werden aber wieder zugleich zu würdevollem Schmuck und Muster.

Die Kollektion umfasst fünf Frauenoutfits in der durchgehenden Farbe Rot aus dem Material Jersey. Die Silhouetten spieglen mit seinen steifen und wallenden Formen den dynamisch und immer wieder statisch, beobachtenden Kämpfer und deren Beute wieder, die beide auf den richtigen Augenblick warten – den Kampf in ihrem Sinne zu gewinnen.

Es entstand eine Kollektion die Beute und Kämpfer sogleich in dem Moment des Kampfes um Leben und Tod widerspiegelt.

page3image15024 page3image15184

ein Kollektion zum Thema Rot
unter der Leitung von Prof. Thomas Greis und Prof. Joachim Schielicke 4. Semester 2011
Fotos: Kaur R. Hensel
unter der Leitung von Marco Warmuth 

Ein Projekt von Kaur R. Hensel


Sie nehmen aber auch alles mit!

In unserer Generation, in der Männer und Frauen von emanzipierten Müttern großgezogen wurden, die alten Werte parallel weiter existieren und gelebt werden, ist es schwer nicht verunsichert zu sein. In unserer Arbeit konzentrieren wir uns auf das heutige Männerbild unserer Gesellschaft. Die für uns wichtigste These ist „Der heterosexuelle Mann als Reaktion auf die emanzipierte Frau, die damit verbundenen Erwartungen und seine Ansprüche an sich selbst.“

In der Männermode herrschen Uniformität und Funktionalität. Dem Mann wird folglich die Wahl zwischen wenigen Rollenklischees geboten. Und auch das erotische Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Die Forderung der Masse nach einer differenzierten Auswahl in der Mode wird immer lauter. Die Tendenz ist zu spüren, dass der Mann sich neu erfinden will. Der Ernsthaftigkeit, mit der über Geschlechterrollen diskutiert wird, setzen wir eine spielerische Arbeit und Arbeitsweise entgegen. Auch das Umwerben ist ein Spiel, das Leichtigkeit und Humor benötigt. Dies setzt Sicherheit im Bezug auf die eigene Position in der Gesellschaft, seiner Körperlichkeit und Sexualität voraus. In der aktuellen Diskussion ist die Rolle der Män- nermode in den Hintergrund geraten. Gerade sie stellt für uns das ideale Medium auf der Suche nach der eigenen Identität dar.

Das Wintersemester 2011/2012 stellten die Professoren der Mode, Prof. Thomas Greis und Prof. Joachim Schielicke, unter das Thema Das Leben ein Spiel – Paarungen. Wir setzten uns mit unseren Männerwunsch- bildern und der Fragestellung auseinander, welche innere und äußere Werte wir an Männern begehrenswert finden. Darauf folgend bündelten wir die Ergebnisse zu den Stereotypen Kavalier und Badboy. Unsere Ent- würfe zeigen collagierte Männerbilder – neuentstandene Kreaturen. Viele von ihnen wirken auffällig scham- los und rebellisch, andere eher verspielt und weiblich. Die Farben der Kollektion sind Schwarz und Anthrazit entsprechend der klassischen Herrenbekleidung, dagegen steht ein kräftiges Hellblau, die Signalfarbe Rot und als Highlight Gold. Kunstfell, Strick und schwere, grobe Wollstoffe treffen auf Chiffon und glänzende Oberflächen. Einige Stoffe sind durch Siebdrucke veredelt, als Vorlagen dienen sowohl Fotos typischer Bad- boys und Kavaliere, als auch handgezeichnete, massive Nadelstreifen. Im Siebdruck und in handgestrickten Accessoires tritt als durchgehendes Element das klassische Symbol der Rose auf. Glasperlenketten, Hand- schuhen und weiblichen Plateauschuhen komplettieren die Kollektion. Jedes einzelne Stück ist durch die spielerische Arbeitsweise gezeichnet. Die freien Entwürfe mit ihren verrutschten Proportionen sind direkt in den Schnitt übersetzt.

Die Kollektion besteht aus unterschiedlichen Hemd- und Hosenformen, Westen, Shirts, Unterhosen, Schals, Masken, einer Jacke, einem Mantel, einem Poncho, einem Overall, einem Pullunder und verschiedenen Strickaccessoires.

Das Ergebnis ist eine Karikatur über Wunschdenken und die Realität des heutigen Männerbildes.

ein Kollektion zum Thema Das Leben ein Spiel
unter der Leitung von Prof. Thomas Greis und Prof. Joachim Schielicke
5. Semester 2011/2012
Fotos: Matthias Ritzman

Ein Projekt von Kaur R. Hensel


sophisticated grunge

Im Hinblick auf die sich ständig wandelnde Gesellschaft und unter der Betrachtung vom neuen Lebensstil und der Wechselwirkung zwischen Mensch und Öffentlichkeit, entstand die Kollektion Michelle Harrison. Der Rhythmus spielt hierbei eine große Rollen, denn der Mensch wandelt sich stetig, im Licht der Öffentlichkeit oder in seinen verschiedenen Lebensumfeldern. Dabei ist der Mensch immer auf der Suche nach dem richtigen Rhythmus zwischen sich selbst und der jeweils nötigen, angemessenen Angepasstheit an öffentlichen Normen. Es gibt viele Gegensätzlichkeiten zwischen den verschiedenen Lebenswelten der Menschen. Betrachtet man nun den Alltag von Celebrities werden diese Gegensätze nur allzu deutlich erkennbar.

Wir befassten uns in der weiteren Recherche mit dem Gegensatz zwischen „Sophisticated“, dem Eleganten, Kultivierten und „Grunge“. Viele der öffentlichen Persönlichkeiten führen zwei Leben, einerseits spielen sie das Spiel vom Sehen und Gesehen werden in einer Glamourwelt, hoch elegant auf dem Roten Teppich, ikonografisch Inszeniert; andererseits sind sie normale Menschen. Sie befinden sich permanent unter Beobachtung, Schritt und (Fehl-) Tritt werden postwendend abgedruckt. Sobald Glanz und Glamour fehlen werden sie öffentlich zur Schau gestellt.Die beiden Lebenswelten bedingen sich gegenseitig, zwei Extreme, die zu jedem Moment in diesen Menschen vereint sind.

Für unsere Kollektion nehmen wir das zur Arbeitsgrundlage, verbildlicht wird die gleichzeitige Polarität in Verläufen. Diese Verläufe spiegeln für uns in der Kollektion den Rhythmus wieder, welcher das Leben der einzelnen Prominenten beeinflusst und ausmacht. Wann sind sie sie-selbst, wann müssen sie angepasst sein, wann sollen sie jemand anders sein und wie sieht das aus, wenn all das augenscheinlich Durcheinander gerät. Quasi der Rhythmus unkontrollierbar wird und die Veränderungen allein seinem Spiel unterliegen?

Verläufe verdeutlichen für uns die gleichzeitige Anwesenheit aller Facetten. Sie sind zum Einen regelmäßig kontrolliert,
und zum Anderen wild, sie wirken ungesteuert für den Betrachter.
Verläufe von innen nach außen, von hart zu weich, von transparent zu verdeckt, von zerstört zu intakt, von fragil zu brachial, von geschlossen zu offen, von zu viel zu zu wenig,…

Eine neue Materialwelt eröffnet sich im Textil, Verbindung von Eisendraht und feinster Kaschmir Mohair Wolle, von lieblichen Motiven zerstörerisch auf Materialgemische gedruckt, leichte Seidenkleider mit der fotografischen Technik der Cyanotypie blitzgewitterartig belichtet, Jacquardgewebe im Verlauf von technoidem Silbermetallgarn zu Wolle, handgewebte Dégradées. Die Muster sind inspiriert von handgezeichneten, welkenden Lilien. Sie vereinen im welkenden Zustand die Zerbrechlichkeit mit der Schönheit und stehen für uns als Sinnbild der Vergänglichkeit, einem Vanitas-Stillleben ähnlich. Die Muster wurden im Handsiebdruck realisiert und in Jacquardgeweben umgesetzt.

Im Schnitt wurden asymmetrische Formen eingesetzt, die Assoziation etwas ist verschoben, verdreht oder verrutscht, wild kombiniert wirft sich auf. In der Bewegung passieren Blitzer nackter Haut, unfreiwillige Enthüllungen. Gesichter sind bedeckt, bewusste Anonymität.
Klassische Schnittlinien gebrochen durch den Einsatz absurder Materialien.

Entstanden ist eine bipolare Kollektion aus zehn Frauen- und vier Männer Outfits inspiriert von der verwelkten Stilikone Courtney Love, die mit bürgerlichen Namen Courtney Michelle Harrison heißt.

 

ein Kollektion zum Thema „sophisticated grunge“
unter der Leitung von Prof. Thomas Greis und Prof. Joachim Schielicke 6. Semester 2012
Fotos: Maya Hristova (Ostkreuzschule Berlin)
unter der Leitung von Prof. Ute Mahler (Ostkreuzschule Berlin)

Ein Projekt von Kaur R. Hensel


Impressum